Valuation Case Study – So bewertest du Investitionsalternativen im Bewerbungsgespräch

Valuation Case Study

Valuation Case Studies drehen sich darum, den Wert eines Unternehmens, einer Sparte oder Investition zu ermitteln – und eine klare Kauf-/Verkaufsentscheidung zu treffen.In meinem Video erkläre ich dir die wichtigsten Bewertungsverfahren und zeige, wie du sie strukturiert auf einen Case anwendest.

Was ist eine Valuation Case Study?

Bei Valuation Cases sollst du einen fairen Geldwert ermitteln und daraus handeln. Typische Interviewfragen sind:

  • „Wie viel ist dieses Unternehmen wert?“

  • „Wird für 75 Mio. € angeboten – kaufen?“

  • „Wie viel maximal zahlen für diesen Konkurrenten?“

Solche Fälle kommen vor allem in M&A, Private Equity, Corporate Development, Wirtschaftsprüfung und Controlling vor. Ziel: einen Wert berechnen und entscheiden(kaufen/nein, zu diesem Preis ja/nein).


Schritt 1: Kontext verstehen – Unternehmen oder Investition?

Zuerst klären: Was genau soll bewertet werden?

Zwei Haupttypen:

  • Unternehmensbewertung

    • Ganzes Unternehmen, Tochter oder Geschäftsbereich

    • Typisch bei Kauf/Verkauf, Investor-Einstieg, Buyout

 

  • Investitionsbewertung

    • Maschine, Projekt, Fuhrpark

    • Häufig in Controlling (DCF auf Projekt-Cashflows)

Wichtige Nachfragen im Case:

  • Warum kaufen/verkaufen? (Strategie, Synergien, Portfolio?)

  • Käufertyp: Finanzinvestor (Rendite) oder strategisch (Synergien)?


Schritt 2: Welche Daten brauchst du?

Keine Zahlen = keine Bewertung. Typische Infos einholen:

Unternehmensbewertung:

  • Angebotspreis (falls vorhanden)

  • Branche, Marktwachstum, Zukunftspotenzial

  • Renditeerwartung / Diskontsatz (WACC)

  • Finanzkennzahlen: EBIT, EBITDA, Cashflows, Bilanz

  • Synergien (Umsatz-/Kostensynergien)

Investitionsbewertung:

  • Investitionshöhe, Laufzeit, Restwert

  • erwartete Cashflows (Einsparungen/Mehrumsätze)

  • Kalkulationszins

Tipp: Fehlende Daten erfragen oder Annahmen nennen.


Schritt 3: Bewertungsverfahren auswählen

Das „Framework“ ist die Toolbox der Verfahren. Die gängigsten:

VerfahrensartBeispieleWann?
VermögensorientiertSubstanzwert, LiquidationswertMindestwert, Kontrolle
ErtragsorientiertErtragswert (IDW S1), DCFZukunft planbar
Markt/MultiplikatorEBIT/EBITDA-MultipleSchnell, praxisnah
 
 

Daumenregeln:

  • Substanzwert → Untergrenze

  • Multiplikatoren → Interview-Standard (schnell)

  • DCF → theoretisch robust, rechenintensiv

Im Case begründen: „Bei G&V-Daten und Branchen-Multiples würde ich EBIT-Multiple nehmen. OK?“

Case: Finanzinvestor will Jägerstand-Hersteller für 75 Mio. € kaufen. G&V der letzten Jahre vorliegen.

Lösungsschritte:

  1. Kontext: Finanzinvestor, erstes Portfolio-Unternehmen → keine Synergien

  2. EBIT ermitteln: Rückrechnung aus G&V (Ergebnis + Steuern + Zinsaufwand)

  3. Durchschnitt: Bei Schwankungen (Ausreißer) 3-Jahres-Durchschnitt

  4. Multiple: Branche „Bau/Handwerk“ → z.B. 5,2 (aus Range 4,3–6,2)

  5. Wert: EBIT × 5,2 = ca. 60 Mio. €

  6. Empfehlung: „Zu 75 Mio. € nicht kaufen – Wert liegt darunter, keine Synergien erkennbar.“


Schritt 5: Synergien verstehen

Synergien (für strategische Käufer relevant):

  • Kosten: Doppelstrukturen abbauen, gemeinsame Systeme

  • Umsatz: Cross-Selling, neue Kanäle

Am Ende erwähnen: „Wert ohne Synergien. Bei strategischem Käufer +X Mio. € durch Kostensynergien möglich.“


Wer Valuation Cases sicher lösen will, braucht Übung mit Verfahren, Branchenlogik und klaren Empfehlungen.
In meinem Case Study Masterkurs übe ich M&A-, Valuation- und Investitions-Cases mit dir durch – inklusive DCF, Multiples und Synergie-Analyse –, damit du im Gespräch strukturiert rechnest und überzeugend entscheidest.