Market Entry Case Study im Bewerbungsgespräch – so knackst du den Markteintritts-Case (am Beispiel „Wurst GmbH nach Finnland“)

Market Entry Case Study Blog

Market Entry Case Studies wirken im ersten Moment komplex, sind aber mit einem klaren Framework sehr gut beherrschbar – und genau das schauen wir uns hier Schritt für Schritt an, inklusive einem durchgängigen Beispiel mit der Fastfoodkette Wurst GmbH, die nach Finnland expandieren möchte.


Was ist ein Market Entry Case?

Ein Market Entry Case prüft, ob du strukturiert entscheiden kannst, ob ein Unternehmen in einen neuen Markt eintreten sollte – und wenn ja, wie.
„Neuer Markt“ kann dabei Verschiedenes bedeuten: neues Land, neue Kundengruppe oder eine neue Produkt-/Servicekategorie.

Typische Auslöser für einen Markteintritt sind zum Beispiel:

  • Geografische Expansion (z.B. neues Land oder neue Region)

  • Erschließen neuer Zielgruppen (z.B. andere Altersgruppen oder Geschlechter)

  • Einführung neuer Produkte/Dienstleistungen oder Varianten

In deinem Case-Interview bekommst du dann eine offene Fragestellung à la: „Unser Kunde überlegt, in Markt X einzutreten. Soll er das tun?“ – deine Aufgabe ist es, strukturiert nachzufragen, zu analysieren und am Ende eine klare Empfehlung auszusprechen.
Genau das machen wir jetzt Schritt für Schritt am Beispiel der Wurst GmbH, einer deutschen Fastfoodkette, die überlegt, nach Finnland zu expandieren.

Wenn du das Framework einmal kompakt erklärt sehen willst, inklusive Zeichnung des Strukturbaums, schau dir unbedingt das Theorie-Video auf meinem YouTube-Kanal zum Market-Entry-Framework an, dort gehe ich die Bausteine „Markt – Wettbewerb – Unternehmen – Finanzen – Risiken – Empfehlung“ visuell durch.

Schritt 1: Ziel und Kontext sauber klären

Bevor du wild ein Framework aufmalst, musst du verstehen, warum der Kunde überhaupt in den neuen Markt möchte und woran „Erfolg“ gemessen wird.

Typische Fragen zu Beginn sind zum Beispiel:

  • Was ist das primäre Ziel: Umsatzwachstum, Gewinnsteigerung, Marktanteile, strategische Präsenz, ROI?

  • Gibt es konkrete, messbare Ziele (z.B. Umsatz X in Y Jahren, bestimmte Rendite, bestimmte Kundenanzahl)?

  • In welchem Zeitraum soll das erreicht werden?

  • Ist schon klar, ob der Markteintritt eher organisch (eigener Aufbau) oder anorganisch (Akquisition, Joint Venture etc.) erfolgen soll?

Beispiel: Wurst GmbH nach Finnland

Im Beispielcase bekommst du die Info:

  • Die deutsche Fastfoodkette Wurst GmbH prüft einen Markteintritt in Finnland.

  • Ziel: Umsatz steigern durch Expansion in einen neuen geografischen Markt.

  • Konkretes Ziel: 1,8 Milliarden Euro Umsatz in 2 Jahren im finnischen Markt.

Außerdem hält sich die Geschäftsführung offen, ob das organisch oder anorganisch passieren soll – dir wird gesagt, dass das „egal“ ist, was bedeutet: du darfst später eine sinnvolle Eintrittsstrategie vorschlagen.

Im Interview würdest du genau so beginnen: kurz den Case in eigenen Worten zusammenfassen, Rückfragen stellen („Ist das Ziel eher Umsatz- oder Gewinnfokus?“, „Gibt es messbare Zielgrößen?“), das Ziel bestätigen – und dann erst dein Framework aufbauen.
Im YouTube-Theorie-Video zeige ich dir exakt, welche Rückfragen du stellen solltest und wie du sie kurz und prägnant formulierst, damit du von Anfang an strukturiert wirkst.


Schritt 2: Dein Market-Entry-Framework aufbauen

Für Market Entry Cases haben sich 4–5 große Analyse-Blöcke bewährt, die du flexibel auf den Case anpasst:

  • Marktattraktivität

  • Wettbewerb

  • Unternehmen (Fähigkeiten & Fit)

  • Finanzperspektive

  • Risiken & Empfehlung

Dein Framework könnte also z.B. so aussehen:

  1. Marktattraktivität

  2. Wettbewerbssituation

  3. Fähigkeiten und Ausgangslage des Kunden

  4. Finanzieller Business Case und Zielerreichung

  5. Risiken, Eintrittsstrategie und Empfehlung

Wichtig: Du kündigst an, dass du dir 2–3 Minuten Zeit nimmst, um deine Struktur zu notieren, und gehst dann den Interviewer kurz durch deine „Buckets“, bevor du in die Tiefe gehst.

Beispiel: Framework für die Wurst GmbH

Für die Wurst-GmbH-Finnland-Case Study baust du dir genau dieses Framework:

  1. Marktattraktivität Finnland (Volumen, Wachstum, Marge, Kundenverhalten)

  2. Wettbewerbssituation (Fastfood-Markt, direkte vs. indirekte Konkurrenz)

  3. Fähigkeiten der Wurst GmbH (Strukturen, Lieferanten, Marke, Expansionserfahrung)

  4. Finanzmodell und Zielerreichung (Marktanteil, Umsatz, Erreichen der 1,8 Mrd. in 2 Jahren)

  5. Risiken & Umsetzung (Risiken, Anpassung des Geschäftsmodells, Pilotstrategie)

Im Beispielvideo laufe ich mit dir genau diese Struktur durch und fülle sie Schritt für Schritt mit Zahlen und Aussagen – sehr hilfreich, wenn du sehen willst, wie so ein Framework im echten Case-Interview „lebt“.


Schritt 3: Marktattraktivität analysieren

Im ersten großen Block prüfst du, ob sich der Markt grundsätzlich lohnt – bevor du Geld und Ressourcen hineinsteckst.

Typische Aspekte der Marktattraktivität sind:

  • Marktgröße (Volumen, ggf. Markt-Sizing)

  • Marktwachstum (Vergangenheit und Erwartungen)

  • Durchschnittliche Gewinnmargen in der Branche

  • Kundenverhalten, Kultur, Trends, Zahlungsbereitschaft

  • Produktlebenszyklus und Reifegrad des Marktes

  • Makro-Faktoren (politisch, wirtschaftlich, regulatorisch etc.)

Beispiel: Marktattraktivität für Finnland

Im Wurst-GmbH-Case bekommst du u.a. folgende Infos:

  • Marktvolumen: 30 Milliarden Euro

  • Wachstum: In den letzten 5 Jahren ca. 10% pro Jahr

  • Durchschnittliche Gewinnmarge: 9%

  • Kultur & Verhalten:

    • Die finnische Bevölkerung geht gerne mit Freunden und Familie ins Restaurant und genießt das Essen.

    • Würste werden generell gerne konsumiert.

    • Deutsche Würste gelten als hochwertig.

Deine Einordnung:

  • Hohe Marktgröße + stabiles zweistelliges Wachstum = attraktiver, wachsender Markt.

  • 9% Gewinnmarge ist im Lebensmittel-/Gastrobereich solide – also grundsätzlich interessant.

  • Kundenverhalten (gern im Restaurant sitzen, Genusskultur) passt nicht 1:1 zum „Wurst auf die Hand“-Bild, bietet aber die Chance, das Konzept Richtung „kleine Restaurants“ anzupassen.

Fazit in der Analyse: Der Markt wirkt zunächst attraktiv, sowohl von den Zahlen als auch von der kulturellen Akzeptanz deutscher Würste her.
Im Beispielvideo gehe ich genau durch diese Informationen und zeige dir, wie du laut denkst, die Infos strukturierst und Zwischenergebnisse sauber zusammenfasst – sehr wichtig für einen souveränen Eindruck im Interview.


Schritt 4: Wettbewerb im Zielmarkt verstehen

Als nächstes schaust du dir an, wie stark der Markt bereits besetzt ist und wo Platz für deinen Kunden ist.

Typische Fragen zur Wettbewerbssituation:

  • Wer sind die wichtigsten Wettbewerber?

  • Wie sind Marktanteile verteilt (wenige große Player vs. viele kleine)?

  • Gibt es direkte Wettbewerber oder nur indirekte Alternativen?

  • Wie differenzieren sich bestehende Anbieter (Preis, Qualität, Konzept)?

  • Welche Barrieren gibt es für neue Anbieter (Markenstärke, Regulierung, Kapitaleinsatz etc.)?

Beispiel: Wettbewerb für Wurst GmbH in Finnland

Im Case erfährst du:

  • Es gibt keine Fastfoodkette, die sich auf Würste spezialisiert hat.

  • Es existieren nur vereinzelte kleine Buden, die Würste verkaufen.

  • Die klassischen Fastfoodketten (McDonald’s, Subway, KFC etc.) haben zusammen ungefähr 32% Marktanteil.

Deine Interpretation:

  • Es gibt keinen direkten Ketten-Wettbewerber mit Wurst-Fokus – das ist eine klare Differenzierungschance.

  • Der Markt ist wettbewerbsintensiv (Fastfood-Ketten sind präsent), aber es gibt noch Platz für ein spezifisches Konzept wie eine Wurstkette.

  • Der Case legt nahe, dass Wurst GmbH mit einem klaren Alleinstellungsmerkmal (deutsche Wurst, Qualität, Positionierung) eine Marktlücke besetzen kann.

Im Interview würdest du hier auch Annahmen validieren („Ist die Annahme korrekt, dass bisher keine nationale Wurst-Fastfoodkette existiert?“) und so zeigen, dass du sauber mit Unsicherheit umgehst.
Im Beispielvideo siehst du genau, wie du solche Infos kurz zusammenfasst und daraus eine logische Zwischenbewertung („Markt bietet noch Platz, kein direkter Wurst-Fastfood-Wettbewerber“) ableitest.


Schritt 5: Fähigkeiten und Fit des Unternehmens prüfen

Ein attraktiver Markt bringt nichts, wenn dein Kunde gar nicht in der Lage ist, dort erfolgreich zu agieren.

Du schaust dir u.a. an:

  • Stärken / Schwächen des Unternehmens

  • Bisherige Erfahrung (z.B. internationale Expansion)

  • Lieferanten, Prozesse, Systeme, Marke

  • Bestehende Kundenbeziehungen und mögliche Synergien

  • Operative Skalierbarkeit (Produktion, Logistik, Personal)

Beispiel: Fähigkeiten der Wurst GmbH

Im Case bekommst du dazu:

  • Das Unternehmen verfügt über klare Strukturen und geprüfte Systeme.

  • Zuverlässige Lieferanten sind vorhanden.

  • Die Wurst GmbH hat ein gutes Image.

  • Es gab bisher noch keine Expansion außerhalb Deutschlands.

  • Der Vertrieb erfolgt aktuell über kleine Restaurants und Imbissbuden.

  • Durch Expansion könnten Kosteneinsparungen beim Einkauf und im Marketing entstehen (Skaleneffekte).

Deine Einordnung:

  • Strukturen, Systeme, Lieferanten und Marke sprechen für den Markteintritt – das Unternehmen ist grundsätzlich professionell aufgestellt.

  • Fehlende Auslandserfahrung ist ein Risiko, kann aber durch z.B. lokale Partner, Joint Ventures oder Beratung gemildert werden.

  • Skaleneffekte (mehr Einkauf, „recyclebare“ Marketingassets) verbessern die Wirtschaftlichkeit.

Für das Interview ist wichtig: Du benennst sowohl Pro-Argumente (gute Strukturen, Synergien, Image) als auch Contra-Punkte (keine Auslandserfahrung) und leitest daraus ab, welche Maßnahmen nötig wären (z.B. Kooperation mit lokalem Player).
Im Beispiel-Video zum Case siehst du, wie ich genau diesen Schritt nutze, um später in der Empfehlung konkrete Umsetzungsvorschläge abzuleiten.


Schritt 6: Finanzperspektive und Zielerreichung durchrechnen

Hier kommt der quantitative Teil: Du prüfst, ob das finanzielle Ziel (z.B. Umsatz, Gewinn oder ROI) überhaupt realistisch erreicht werden kann.

Typische Elemente:

  • Umsatzpotenzial (Marktgröße × Marktanteil × Preis)

  • Kostenstruktur (Markteintrittskosten, Fixkosten, variable Kosten pro Einheit)

  • Profitabilität (Marge, Break-even, ROI, Payback-Periode)

  • Abgleich mit den Zielgrößen (z.B. 1,8 Mrd. Umsatz in 2 Jahren)

Beispiel: Finanzmodell der Wurst GmbH

Im Case weißt du schon:

  • Marktvolumen aktuell: 30 Mrd. Euro

  • Wachstum: 10% pro Jahr

  • Geplanter Marktanteil: 3%

  • Ziel: 1,8 Mrd. Umsatz in 2 Jahren

Du rechnest im Gespräch z.B. so:

  • Jahr 1: Marktvolumen 30 Mrd. → 3% Marktanteil = 0,9 Mrd. Euro Umsatz

  • Jahr 2: Markt wächst um 10% → Marktvolumen 33 Mrd. → 3% Marktanteil = 0,99 Mrd. Euro

  • Summe über 2 Jahre: 1,89 Mrd. Euro Umsatz

Vergleich mit Ziel:

  • Ziel: 1,8 Mrd.

  • Prognose: 1,89 Mrd. → Ziel wird übertroffen, also wirkt der Markteintritt finanziell plausibel, sofern die Marktanteilsannahme 3% realistisch ist.

Im Interview kannst du (wenn Zeit ist) noch:

  • Mit der 9%-Gewinnmarge einen groben Gewinn abschätzen.

  • Nach Investitionskosten fragen und einen einfachen ROI oder Break-even anreißen.

Genau diese Rechenschritte gehe ich im Beispielvideo mit dir durch – du siehst dort in Echtzeit, wie man sauber laut rechnet und gleichzeitig den Case voranbringt, ohne sich im Detail zu verlieren.


Schritt 7: Risiken und Umsetzungsempfehlung

Zum Abschluss musst du zwei Dinge bringen:

  1. Eine klare Ja/Nein-Empfehlung zum Markteintritt.

  2. Eine grobe Umsetzungsstrategie plus wichtige Risiken und Maßnahmen zur Risikominimierung.

Typische Risiken sind z.B.:

  • Kulturelle Fehlanpassung (Produkt passt nicht zu lokalen Gewohnheiten)

  • Falsches Konzept (z.B. Imbiss statt Restaurant in einer „Sitzkultur“)

  • Fehleinschätzung der Nachfrage, falsche Standortwahl

  • Operative Überforderung, Lieferkettenprobleme

  • Reputationsrisiken oder politisch-regulatorische Risiken

Beispiel: Empfehlung für die Wurst GmbH

Auf Basis der Infos kannst du zu folgendem Bild kommen:

  • Markt ist groß, wachsend und profitabel.

  • Keine direkte Wurst-Fastfoodkette vorhanden → Differenzierungschance.

  • Wurst GmbH ist solide aufgestellt, hat aber keine Auslandserfahrung.

  • Finanzielle Zielgröße (1,8 Mrd. Umsatz in 2 Jahren) ist mit 3% Marktanteil rechnerisch erreichbar.

Empfehlung:

  • Du empfiehlst grundsätzlich den Markteintritt nach Finnland, da Marktattraktivität, Wettbewerbssituation und Finanzpotenzial positiv sind.

Umsetzung (vereinfacht im Case):

  • Pilotstart mit kleinen Imbissbuden mit wenigen Sitzplätzen in großen Städten.

  • Parallel Test kleiner Restaurants, um das Konzept an die finnische Restaurant- und Genusskultur anzupassen.

  • Fokus auf Standorte mit hoher Frequenz und auch internationalem Publikum (Touristen, Expats).

  • Marketing lokal anpassen (Sprache, Botschaften), aber vorhandene Assets soweit wie möglich nutzen, um Kosten zu sparen.

Risiken und Risikominimierung:

  • Risiko: Kunden akzeptieren das „Wurst-auf-die-Hand“-Konzept nicht → Gegenmaßnahme: Angebot stärker auf Restaurant-Erlebnis und Sitzen ausrichten.

  • Risiko: fehlende Auslandserfahrung → Gegenmaßnahme: Kooperation mit lokal erfahrenem Player oder Hiring von Management mit Expansionserfahrung.

Im Case-Interview würdest du das alles in einer strukturierten, kurzen Empfehlung verpacken: klare Antwort, 2–3 Hauptgründe, wichtigste Risiken und 1–2 konkrete nächste Schritte.
Im Beispielvideo zur Wurst-GmbH-Case Study siehst du am Ende genau so eine Empfehlung – super Vorlage, wie du dein eigenes Closing im Interview formulieren kannst.

Wie du Market Entry Cases sicher meisterst

Um Market Entry Cases im Bewerbungsgespräch wirklich souverän zu lösen, hilft dir:

  • Ein flexibles Framework („Markt – Wettbewerb – Unternehmen – Finanzen – Risiken/Strategie“) im Kopf zu haben.

  • Immer zuerst das Ziel und messbare Kennzahlen zu klären.

  • Laut und sauber zu strukturieren, während du neue Informationen einsammelst.

  • Einfach, aber nachvollziehbar zu rechnen (Marktgröße, Marktanteil, einfache Margen).

  • Am Ende eine klare Empfehlung zu geben – keine „Es kommt drauf an“-Antwort.

Wenn du das Ganze nicht nur lesen, sondern anhand von echten Gesprächssituationen trainieren willst, schau dir unbedingt das YouTube-Video an, in dem ich diesen Wurst-GmbH-nach-Finnland-Case komplett durchspiele – inklusive Framework, Rechenweg und finaler Empfehlung.


Zum Abschluss noch etwas, das dir im Bewerbungsprozess richtig viel Sicherheit geben kann: In meinem Case Study Masterkurs gehen wir genau solche Market Entry Cases, aber auch Profitabilitäts-, Market-Sizing-, M&A- und viele weitere Case-Arten Schritt für Schritt durch – immer basierend auf echten Beispielen aus Bewerbungsgesprächen.
Dort übst du nicht nur die Frameworks, sondern vor allem das Anwenden: strukturieren, nachfragen, rechnen, entscheiden – genau die Fähigkeiten, die am Ende den Unterschied machen, ob du das Jobangebot wirklich bekommst.