Growth Strategy Case Study im Bewerbungsgespräch – Umsatz steigern mit System (am Beispiel „Käsekater“)

Growth Strategy Case Study Blog

Growth Strategy Case Studies drehen sich um eine zentrale Frage: Wie kann ein Unternehmen seinen Umsatz sinnvoll steigern – und welche Wachstumsstrategie ist dafür am besten geeignet?
In einem passenden YouTube-Theorie-Video zu diesem Thema wird ein klares Framework aus 4P-Modell (Product, Price, Promotion, Place) plus Finanzen erklärt, das sich ideal eignet, um solche Wachstums-Cases strukturiert zu lösen.

Was ist eine Growth Strategy Case Study?

Eine Growth Strategy Case Study (Wachstumsstrategie) prüft, ob Kandidat:innen strukturiert herausarbeiten können, wie ein Unternehmen wachsen kann – meistens über Umsatzsteigerung.
Im Kern geht es darum, Wachstumshebel zu finden: mehr Menge verkaufen, Preise sinnvoll anpassen oder beides kombinieren, ohne die wirtschaftliche Logik aus den Augen zu verlieren.

Typische Fragestellungen sind zum Beispiel:

  • „Unser Kunde möchte den Umsatz um X % steigern. Wie kann er das erreichen?“

  • „In welchen Produktbereichen steckt das größte Wachstumspotenzial?“

  • „Welche Wachstumsstrategie ist für dieses Unternehmen sinnvoll?“

Die Aufgabenstellung ist häufig sehr offen, etwa: „Die Firma Käsekater möchte ihren Umsatz steigern. Was soll das Unternehmen tun?“
Genau diesen Fall – Käsekater als Käseproduzent mit mehreren Produktgruppen – zieht dieser Beitrag als rotes Beispiel bis zum Ende durch.


Das Grundframework: 4P + Finanzen

Damit eine Growth Strategy Case Study nicht in zufälligen Ideen („mehr Marketing“, „Preis senken“, „neue Produkte“) endet, hilft ein klares Framework. Besonders geeignet ist hier das 4P-Modell plus Finanzen:

  • Product (Produktpolitik)

  • Price (Preispolitik)

  • Promotion (Kommunikation/Marketing)

  • Place (Vertrieb/Distribution)

  • Finanzen (Budgets, Restriktionen, Erwartungen)

Die Grundlogik:

  • Product: Welche Produktgruppen haben überhaupt das größte Wachstumspotenzial (z.B. über BCG-Matrix, Produktlebenszyklus, Marktanteile)?

  • Price: Gibt es sinnvolle Preisanpassungen, ohne das Image zu schädigen oder Nachfrage zu zerstören?

  • Promotion: Wie kann Kommunikation helfen, mehr Menge abzusetzen (Awareness, Story, Marke)?

  • Place: Wie gut ist der Vertrieb aufgestellt, und welche zusätzlichen Kanäle sind möglich?

  • Finanzen: Passen die Wachstumspläne zu Budget, Profitabilität und den Erwartungen von Eigentümer:innen oder Investor:innen?

In einem Theorie-Video zu Growth Strategy wird genau dieses Framework Schritt für Schritt erklärt – inklusive typischer Fragen pro „Bucket“, mit denen im Case-Interview gezielt Informationen eingesammelt werden können.


Schritt 1: Case verstehen und Fokus klären (Käsekater)

Am Anfang eines Growth Cases steht immer die saubere Klärung des Ziels und des Fokus.
Ohne diese Basis bleibt der Case vage und es wird schwer, am Ende eine klare Empfehlung auszusprechen.

Wichtige Einstiegsfragen wären z.B.:

  • Soll der Umsatz insgesamt steigen oder in einem bestimmten Bereich/Segment?

  • Wie sieht das Geschäftsmodell aus (wer verkauft was an wen)?

  • Welche Produkte oder Produktgruppen gibt es?

  • Gibt es Vorgaben, ob Wachstum organisch oder anorganisch erfolgen soll?

Beispiel: Ausgangslage bei Käsekater

Im Beispiel ergibt sich folgende Situation:

  • Die Firma Käsekater möchte ihren Umsatz steigern.

  • Geschäftsmodell: Käsekater produziert Käseprodukte und verkauft diese an den Einzelhandel, der wiederum an Endkund:innen verkauft.

  • Produktgruppen: Hartkäse, Frischkäse, Weichkäse (ein ursprünglich genannter Bereich wie Eiweißpulver spielt keine Rolle mehr, da es keine zusätzlichen Informationen gibt).

  • Es gibt keine Einschränkung, in welcher Produktgruppe gewachsen werden soll – Ziel ist, das größte Potenzial zu identifizieren.

In einem Beispiel-Video zur Growth Strategy Case Study wird genau gezeigt, wie auf Basis solcher offenen Informationen strukturierte Rückfragen gestellt und die ersten Notizen im Framework angelegt werden.

Schritt 2: Produkte analysieren – BCG-Matrix und Wachstumspotenziale

Ein typischer nächster Schritt in Growth Cases ist die Frage: In welche Produkte lohnt es sich überhaupt zu investieren?
Hier helfen Produktlebenszyklus und BCG-Matrix, um Produktgruppen nach Marktanteil und Marktwachstum zu sortieren.

Im Käsekater-Beispiel liegen Informationen zu folgenden Punkten vor:

  • Produktgruppen: Hartkäse, Frischkäse, Weichkäse.

  • Zu jeder Gruppe gibt es Angaben zu relativem Marktanteil und Marktwachstum (vereinfacht im Case vorgegeben).

Nach der Einordnung in die BCG-Matrix ergibt sich:

  • Weichkäse: Cash Cow – hoher Marktanteil, eher geringes Marktwachstum.

  • Frischkäse: Star – hoher Marktanteil, hohes Marktwachstum.

  • Hartkäse: Question Mark – niedriger Marktanteil, hohes Marktwachstum.

Die Kernaussagen:

  • Weichkäse sichert stabile Umsätze, ist aber kein „Wachstums-Wunder“.

  • Frischkäse entwickelt sich stark, hier ist man schon gut vertreten.

  • Hartkäse wächst im Markt schnell, Käsekater ist dort noch schwach – das sieht nach ungenutztem Potenzial aus.

Deshalb wird im Beispiel entschieden, den Fokus der Wachstumsstrategie auf die Produktgruppe Hartkäse zu legen.
Zusätzlich wird abgefragt, welche Varianten es dort gibt (z.B. Gouda, Emmentaler, Leerdammer) und wie die Positionierung aussieht: Käsekater bietet Hartkäse im Premiumsegment an – mit Biomilch von „glücklichen Kühen aus der Region“.

In einem passenden Video wird gezeigt, wie die BCG-Matrix grafisch aufgebaut, argumentativ genutzt und anschließend in eine klare Fokusentscheidung („wir setzen auf Hartkäse“) übersetzt wird.


Schritt 3: Preis, Marketing, Vertrieb und Finanzen prüfen

Sobald klar ist, welche Produktgruppe im Zentrum steht (Hartkäse), werden die anderen 4P und die Finanzen genauer durchleuchtet, um konkrete Wachstumshebel zu identifizieren.

Preis (Price) – wie preissensibel ist der Markt?

Relevante Fragen in diesem Block:

  • Wie ist der aktuelle Produktpreis?

  • Wie liegen die Preise der Wettbewerber?

  • Wie preissensibel sind die Kund:innen (Reaktion auf Preisänderungen)?

Im Käsekater-Case:

  • Preis des Hartkäses von Käsekater: 3,39 €.

  • Preis vergleichbarer Wettbewerbsprodukte: 2,99 €.

  • Positionierung: Premiumsegment.

  • Preissensibilität: eher gering – Kund:innen sind nicht extrem empfindlich bei moderaten Preisänderungen.

Interpretation:

  • Ein Preishebel (erhöhen oder senken) ist grundsätzlich denkbar, birgt aber Risiken fürs Premiumimage.

  • Bei Premiumprodukten kann eine Preissenkung die wahrgenommene Qualität beschädigen, eine Preiserhöhung muss sauber begründet werden.

  • Im Beispiel wird Preis daher nicht als primärer Wachstumshebel gewählt.

Marketing/Kommunikation (Promotion) – unsichtbares Premiumprodukt sichtbar machen

Fragen in diesem Bereich:

  • Welche Marketingmaßnahmen wurden bisher durchgeführt?

  • Gibt es Daten zur Wirksamkeit (z.B. Kampagnenergebnisse, ROI)?

  • Was macht der Wettbewerb im Marketing?

Im Fall von Käsekater:

  • Bisher wurden nur wenige Marketingmaßnahmen umgesetzt, deren Erfolg kaum messbar ist.

  • Es gibt wenig Wissen darüber, wie Wettbewerber Marketing betreiben.

Daraus lässt sich ableiten:

  • Hier steckt viel ungenutztes Potenzial: ein hochwertiges Premiumprodukt mit klaren USPs, das kaum aktiv kommuniziert wird.

  • Kommunikation kann helfen, das Produkt zu erklären („Bio, regionale Herkunft, glückliche Kühe“) und sich von günstigen Standardkäsen abzuheben.

Vertrieb/Distribution (Place) – wer entscheidet wirklich?

Zentrale Fragen:

  • Über welche Kanäle werden die Produkte verkauft?

  • Wie effektiv sind diese Kanäle?

  • Gibt es alternative oder zusätzliche Vertriebskanäle?

Bei Käsekater:

  • Verkauf erfolgt über Key Account Manager an den Einzelhandel.

  • Die Effektivität wird grob als „passt schon“ beschrieben, ohne konkrete Kennzahlen.

Wichtige Einsicht:

  • Käsekater verkauft zwar an den Handel, aber entscheidend ist die Nachfrage der Endkund:innen im Supermarktregal.

  • Wenn mehr Endkund:innen Hartkäse von Käsekater kaufen, bestellt der Handel automatisch häufiger nach und stellt eventuell mehr Regalfläche zur Verfügung.

Finanzen – sind Investitionen in Wachstum möglich?

Abschließend wird geprüft, ob finanzielle Grenzen das Wachstum einschränken oder ob Spielraum für Investitionen besteht.
Im Käsekater-Case:

  • Budgetrestriktionen spielen keine zentrale Rolle, Investor:innen sind grundsätzlich wachstumsorientiert, Investitionen sind möglich.

Das bedeutet:

  • Es kann in Marketing- und Vertriebsmaßnahmen investiert werden, ohne dass sofort harte Budgetschranken greifen.

  • Die Auswahl der Maßnahmen sollte trotzdem wirtschaftlich begründet bleiben, aber der Case ist nicht durch fehlendes Geld „blockiert“.


Schritt 4: Wachstumsstrategie mit der Ansoff-Matrix festlegen

Nun stellt sich die Frage, welche Art von Wachstum strategisch verfolgt werden soll.
Die Ansoff-Matrix unterscheidet vier Richtungen:

  • Marktdurchdringung: bestehende Produkte in bestehenden Märkten

  • Produktentwicklung: neue/modifizierte Produkte in bestehenden Märkten

  • Marktentwicklung: bestehende Produkte in neuen Märkten

  • Diversifikation: neue Produkte in neuen Märkten

Mit Blick auf Käsekater und Hartkäse zeigt sich:

  • Hartkäse ist bereits im aktuellen Markt vertreten.

  • Der Markt wächst stark, der eigene Marktanteil ist noch niedrig.

  • Andere Produktgruppen (Frischkäse, Weichkäse) sind bereits sehr etabliert.

Daraus ergibt sich:

  • Die passende Wachstumsrichtung ist Marktdurchdringung mit Hartkäse im bestehenden Markt.

  • Das heißt: Mehr von einem bestehenden Produkt im bisherigen Markt verkaufen, statt direkt in neue Märkte oder ganz neue Produkte abzudriften.

In einem Video zur Growth Strategy wird demonstriert, wie die Ansoff-Matrix genau für diesen Fall angewendet wird und wie daraus eine klare strategische Richtung („Marktdurchdringung mit Hartkäse“) abgeleitet wird.


Schritt 5: Konkrete Maßnahmen – wie Käsekater mit Hartkäse wächst

Wenn Fokus (Hartkäse) und Strategie (Marktdurchdringung) feststehen, geht es darum, konkrete Maßnahmen zu formulieren, mit denen Käsekater tatsächlich wächst.
Ziel ist es, den Absatz von Hartkäse im bestehenden Markt deutlich zu erhöhen.

Mögliche Maßnahmen, wie sie auf Basis des Frameworks im Beispiel entwickelt werden:

1. Probierstände im Supermarkt

  • Kund:innen können den Hartkäse direkt vor Ort probieren.

  • Besonders wichtig für Premiumprodukte, deren Mehrwert (Geschmack, Qualität, Textur) nicht allein über den Preis oder die Verpackung vermittelt werden kann.

  • Probieraktionen senken die Hemmschwelle, ein neues Produkt mit höherem Preis zu testen.

2. Bessere Platzierung im Regal

  • Hartkäse von Käsekater wird auf Augenhöhe platziert, nicht ganz unten im Regal.

  • Sichtbarkeit steigt, spontane Kaufentscheidungen werden wahrscheinlicher.

  • In Kombination mit einer attraktiven Verpackung ergibt sich ein deutlich stärkerer Regalauftritt.

3. Verpackung & Kommunikation anpassen

  • Die Verpackung des Hartkäses betont deutlicher die Premium-USPs: Bio-Qualität, glückliche Kühe aus der Region, Nachhaltigkeit, Regionalität.

  • Design und Text machen klar, warum das Produkt mehr kostet als der Standardkäse – der Mehrwert wird verständlich kommuniziert.

4. Marketingkampagnen für Premium-Hartkäse

  • Aufbau einer klaren Markenstory: z.B. Fokus auf Herkunft, Tierwohl, Qualität und Geschmack.

  • Einsatz von Social Media, ggf. Influencer:innen im Food-Bereich, um Aufmerksamkeit für Käsekater-Hartkäse zu schaffen.

  • Ziel: Bewusstsein und Präferenz für das Premiumprodukt erhöhen, sodass Kund:innen aktiv danach greifen.

5. Zusätzliche Vertriebsideen

  • Kooperation mit regionalen Hotels oder Gastronomie, die Hartkäse von Käsekater im Frühstück oder in Gerichten einsetzen – das stärkt sowohl Absatz als auch Markenimage.

  • Optionale Ergänzung: Käseplatten-Bundles, in denen Hartkäse mit Frischkäse und Weichkäse kombiniert wird, um die Bekanntheit des Hartkäses über andere, bereits etablierte Produkte mit hochzuziehen.

Im Beispielcase werden solche Maßnahmen am Ende strukturiert vorgestellt: jeweils mit kurzem Bezug zur Strategie (Marktdurchdringung), zum Produktfokus (Hartkäse) und zur Wirkung auf die Umsatzsteigerung.


So lässt sich eine Growth Strategy Case Study souverän lösen

Wer Growth Strategy Cases im Bewerbungsgespräch sicher lösen möchte, kann sich grob an dieser Reihenfolge orientieren:

  1. Ziel klären – Worum geht es genau: Umsatz, Gewinn, Marktanteile? Und in welchem Bereich?

  2. Geschäftsmodell und Produkte verstehen – Was wird verkauft, über wen und an welche Kund:innen?

  3. 4P + Finanzen strukturieren – Product, Price, Promotion, Place und Budget-/Erwartungsrahmen systematisch durchgehen.

  4. Produktfokus wählen – Über BCG-Matrix, Marktanteile und Wachstumspotenziale entscheiden, welche Produktgruppe im Mittelpunkt steht (wie Hartkäse bei Käsekater).

  5. Strategische Richtung festlegen – Mit der Ansoff-Matrix entscheiden, ob Marktdurchdringung, Produktentwicklung, Marktentwicklung oder Diversifikation sinnvoll ist.

  6. Konkrete Maßnahmen ableiten – In den relevanten P’s klare, umsetzbare Schritte formulieren (z.B. Probierstände, Regalplatzierung, Verpackungs-Update, neue Vertriebskanäle).

  7. Klare Empfehlung geben – Am Ende eine eindeutige Empfehlung aussprechen, mit wenigen, starken Argumenten und einem kurzen Ausblick auf nächste Schritte.

Der Käsekater-Case eignet sich hervorragend, um diesen Ablauf einmal von A bis Z durchzuspielen und ein Gefühl dafür zu bekommen, wie strukturiertes Denken, Frameworks und konkrete Maßnahmen im Case-Interview zusammenspielen.


Wer Growth Strategy, Market Entry, Profitabilitäts- oder M&A-Cases nicht nur theoretisch verstehen, sondern in echten Interviews sicher anwenden möchte, findet in einem Case Study Masterkurs eine sinnvolle Vertiefung.
Dort werden solche Fälle – inklusive Käsekater-artiger Beispiele – Schritt für Schritt anhand realistischer Bewerbungssituationen durchgearbeitet, sodass Frameworks, Rechenlogik und Präsentation der Empfehlung am Ende wirklich sitzen.