Ein Pricing Case dreht sich darum, einen konkreten Preis für ein Produkt oder eine Dienstleistung zu empfehlen – entweder beim Markteintritt, bei einem neuen Produkt oder wenn ein bestehender Preis angepasst werden soll.
In meinem Video erkläre ich dir das dafür passende Framework: vom Verständnis von Unternehmen und Produkt über die drei zentralen Pricing-Ansätze (Value-, Competition- und Cost-based Pricing) bis hin zur Ableitung einer sinnvollen Preisrange und finalen Preisempfehlung.
Was ist eine Pricing Case Study?
In einer Pricing Case Study soll am Ende eine klare Preisempfehlung stehen – keine vage Spanne, sondern ein konkreter Wert mit sauberer Begründung. Die Ausgangssituation kann dabei sehr unterschiedlich aussehen:
Markteintritt eines bestehenden Produkts in eine neue Region (z.B. Preis für ein Produkt in England vs. Deutschland).
Einführung eines komplett neuen Produkts, für das es bisher keinen Preis im Markt gibt.
Anpassung eines bestehenden Preises, weil sich das Produkt „zu schlecht“ oder „zu gut“ verkauft und Potenzial verschenkt wird.
In meinem Video erkläre ich, dass du deshalb zuerst verstehen musst:
Unternehmen: Branche, Geschäftsmodell, Positionierung (Preisführer, Qualitätsführer, Nachhaltigkeit, Service etc.).
Produkt: welches Bedürfnis es befriedigt, wie es hergestellt wird, welche Alternativen/Substitute es gibt und wodurch es sich abhebt (USP, Zertifikate, Regionalität etc.).
Ziel des Preises: Gewinn maximieren, Umsatz steigern, Marktanteile aufbauen, Premiumposition halten oder bewusst günstig in den Markt eindringen.
Erst wenn diese Fragen klar sind, ergibt ein Pricing-Framework wirklich Sinn.
Schritt 1: Unternehmen, Produkt und Ziele verstehen
Bevor du über Zahlen sprichst, brauchst du ein klares Bild der Ausgangslage. Im Framework-Video führe ich dich dafür durch drei Blöcke:
Unternehmen und Marke
Branche
Geschäftsmodell (B2B, B2C, einmalige Käufe vs. Abos etc.)
Positionierung: Qualität, Preis, Nachhaltigkeit, Service, Innovation.
Produkt bzw. Dienstleistung
Welche Bedürfnisse werden befriedigt?
Welche Alternativen/Substitute gibt es (z.B. andere Produkte, manuelle Lösung)?
Unterschiede zur Konkurrenz (Features, Qualität, Zertifikate, regionale Produktion, Patente).
Kontext und Ziel
Neues Produkt vs. bestehendes Produkt vs. Markteintritt in neuem Land.
Lebenszyklus (Einführung, Wachstum, Sättigung, Rückgang) und ggf. BCG-Position (Star, Cash Cow etc.).
Ziel: Profitabilität, Wachstum, Marktanteile, Premiumposition, Preiserhöhung ohne Kundenverlust etc.
Diese Infos bestimmen, welche der drei Pricing-Methoden (Value-, Competition-, Cost-based) im Case im Mittelpunkt stehen sollte.
Schritt 2: Die drei Kernansätze – Value-, Competition- und Cost-based Pricing
Im Kern lassen sich Pricing Cases in drei Logiken strukturieren, die auch in der Literatur und in Case-Guides als Standard genannt werden:
Value-based Pricing (Mehrwert-/WTP-basiert)
Competition-based Pricing (wettbewerbsbasiert)
Cost-based Pricing (kostenbasiert)
Im Video erkläre ich sie so:
1. Value-based Pricing – maximale Zahlungsbereitschaft als Obergrenze
Hier geht es um die Frage: Wie viel Wert stiftet das Produkt für Kund:innen – und wie hoch ist ihre Zahlungsbereitschaft?
Ansatzpunkte:
Monetärer Mehrwert (z.B. eingesparte Kosten, zusätzlicher Gewinn, Zeitersparnis).
Subjektiver Nutzen (Design, Komfort, Markenimage, Status, Convenience).
Beispiele im Video:
Ein Beratungsprojekt spart dem Kunden 10.000 € ein, dadurch wäre ein Honorar knapp darunter plausibel.
Ein Glas erfüllt das Bedürfnis „trinken am Arbeitsplatz“ und hat einen subjektiven Wert (Funktion + Design).
Im Pricing-Case-Kontext bedeutet das:
Aus Mehrwert und Zahlungsbereitschaft ergibt sich die obere Preisgrenze – darüber wird (theoretisch) niemand mehr kaufen.
Empirisch ließe sich das z.B. über Umfragen, Van-Westendorp-Analysen oder WTP-Studien bestimmen, im Case bekommst du WTP-Daten oft direkt geliefert.
Dabei ist zu berücksichtigen:
Value-based Pricing ignoriert zunächst Konkurrenzpreise und Kosten – es eignet sich hervorragend, um die theoretische Obergrenze für den Preis zu bestimmen.
2. Competition-based Pricing – Orientierung am Markt
Hier stellst du die Frage: Wie wird ein funktional vergleichbares Produkt aktuell im Markt bepreist?
Grundgedanke: Wenn Wettbewerber mit ähnlichem Angebot einen bestimmten Preis realisieren, zeigt das, dass Kund:innen grundsätzlich bereit sind, diesen Preis zu zahlen (Proof of Concept).
Vorteile:
Schneller Realitätscheck, ob dein Preis grob plausibel ist.
Gute Orientierung, wenn viele vergleichbare Produkte existieren.
Nachteile:
Sagt nichts darüber, ob dein Preis kostendeckend ist. Ein großer Wettbewerber kann viel günstigere Stückkosten haben.
Du verschenkst Marge, wenn dein Produkt eigentlich deutlich mehr Wert bietet als die Konkurrenz.
Im Video ordne ich den zweiten Ansatz daher meist zwischen Value- und Cost-based ein – als Mitte der sinnvollen Preisrange.
3. Cost-based Pricing – Untergrenze und Break-even
Cost-based Pricing fragt: Wie hoch muss der Preis mindestens sein, damit alle relevanten Kosten gedeckt sind und eine Zielmarge erzielt wird?
Dabei werden u.a. berücksichtigt:
Produktionskosten pro Stück
variable und fixe Kosten (ggf. auf Stückbasis umgelegt)
Marketing-, F&E- oder Launch-Kosten (auf Stückzahl verteilt)
Im Video erkläre ich:
Du bestimmst zunächst einen kostenbasierten Mindestpreis (Break-even).
Optional rechnest du eine fixe Marge auf (z.B. 10%, 20%, 50%), um einen einfachen Zielpreis zu erhalten.
Kritische Punkte:
Wenn du die Produktionsmenge überschätzt, kann der Kostenpreis zu optimistisch sein.
Rein kostenbasiert zu bepreisen kann bedeuten, dass du deutlich unter der Zahlungsbereitschaft der Kund:innen bleibst und Marge verschenkst.
In der Theorie bezeichne ich Cost-based Pricing als untere Preisgrenze – darunter machst du Verlust.
Schritt 3: Preisrange ableiten und finalen Preis setzen
Im Framework-Video führe ich dich dann zusammen:
Value-based Pricing → Obergrenze (maximale Zahlungsbereitschaft).
Cost-based Pricing → Untergrenze (Break-even plus ggf. Zielmarge).
Competition-based Pricing → Orientierung im Markt, oft in der Mitte, abhängig von deiner Positionierung (Economy, Mid-Market, Premium).
Aus diesen drei Bausteinen entsteht eine Preisrange, z.B.:
Untergrenze: 15.000 € (Kosten + Zielmarge)
Marktpreis (Wettbewerb): 20.000 €
Obergrenze (Mehrwert/WTP): 25.675 €
Danach kommt der wichtigste Schritt im Case:
Du entscheidest dich für einen konkreten Preis, z.B. 19.800 € oder 18.999 €, und begründest ihn sauber:
Ziel (z.B. Marktanteile in neuer Region aufbauen → eher etwas unter Mitte).
Positionierung (Premium vs. Economy).
Wettbewerbssituation (starker Wettbewerb → eher nahe am Marktpreis, mit Differenzierung; wenig Wettbewerb → mehr Preisspielraum).
Im Video zeige ich, wie aus dieser Logik eine präzise Empfehlung wird – inklusive psychologisch „sauberer“ Preisgestaltung (z.B. 18.999 € statt 19.000 €).
Schritt 4: Beispiel – automatischer Dönerschneider in England
In meinem Beispielvideo führe ich dich durch einen klassischen Pricing Case:
Das Unternehmen „Fleischschweißfrei (FSF)“ möchte seinen automatischen Dönerschneider auch in England anbieten und braucht einen Preisvorschlag.
Die Struktur im Beispiel folgt genau dem Framework:
Unternehmen & Ziel
Branche: Maschinenbau, Gastronomiebedarf.
Produkt: automatische Dönerschneider.
Positionierung: hochwertige, effiziente Maschinen für professionelle Gastronomie.
Ziel im Case: Marktanteile im englischen Markt gewinnen.
Produkt & Alternativen
Alternative/Substitut: klassisches Messer (manuelles Schneiden).
Wettbewerb: in England keine etablierten Anbieter für genau diesen Maschinentyp → FSF ist differenziert.
USP: Automatisierung, gleichmäßige Qualität, deutliche Zeit- und Personalkosteneinsparung.
Value-based Pricing – Mehrwert berechnen
Ausgangspunkt:
Kosten für Mitarbeiterzeit beim manuellen Schneiden (Stundenlohn → Minutenkosten).
Zeitbedarf pro Monat für Schneiden (in Minuten).
Messeranschaffung und -schärfen.
Ergebnis:
Gesamtkosten des manuellen Szenarios über z.B. fünf Jahre.
Daraus ergibt sich die maximale Zahlungsbereitschaft für die Maschine: alles, was darunter liegt, bringt dem Dönerladenbetreiber einen positiven finanziellen Effekt.
Cost-based Pricing – Untergrenze bestimmen
Produktionskosten pro Maschine.
Zusätzliche Kosten wie Fracht, Vertrieb, Marketingkampagne.
Verkaufserwartung (z.B. 10% von 20.000 Dönerbuden → 2.000 Maschinen).
Umlegen der Kampagnenkosten auf die erwartete Stückzahl.
Ergebnis: Kosten pro Maschine als preisliche Untergrenze.
Preisrange & Empfehlung
Obergrenze: Mehrwert (Ersparnis) über fünf Jahre.
Untergrenze: Kosten pro Maschine.
Ziel: Marktanteile gewinnen → Preis nicht zu hoch an der Obergrenze, eher wettbewerbsfähig im unteren Bereich der Range, aber profitabel.
Beispielhafte Empfehlung im Video: Preis knapp unter 20.000 €, z.B. 18.999 € – mit dem Argument, dass Dönerläden so sichtbar mehrere tausend Euro pro Jahr sparen können.
Im Beispiel wird zusätzlich gezeigt, wie du:
deine Rechnungen Schritt für Schritt erläuterst,
Annahmen klar benennst,
und deine Empfehlung am Ende kurz, klar und überzeugend formulierst – genau so, wie es im Case-Interview erwartet wird.
Schritt 5: Weitere Pricing-Hebel und Strategien
Zum Schluss gehe ich im Video noch auf zusätzliche Pricing-Hebel ein, die du in Interviews ansprechen kannst, um Tiefe zu zeigen:
Preisstrategien
Skimming (hoch starten, dann senken).
Penetration Pricing (niedrig starten, um Marktanteile schnell zu gewinnen).
Differenzierte Preise
nach Kundengruppe (B2B vs. B2C, Großkunden vs. kleine Betriebe).
nach Region (z.B. unterschiedliche Zahlungsbereitschaft je Land).
nach Vertriebskanal (z.B. direkter Vertrieb vs. Händler).
via Mengenrabatte.
Produktvarianten & Bundles
Economy-, Standard- und Premiumversionen.
Bundles mit anderen Produkten (Cross- und Upselling).
Wettbewerbsreaktionen
Preiskampf-Risiko bei sehr aggressivem Pricing.
Aufbau oder Nutzung von Differenzierungsmerkmalen (Qualität, Service, Marke), um Preissteigerungen zu rechtfertigen.
Diese Punkte müssen nicht immer alle durchgerechnet werden, zeigen aber im Case, dass du Pricing strategisch denken kannst – nicht nur als Excel-Rechnung.
Wer Pricing Cases im Bewerbungsgespräch sicher lösen will, profitiert davon, das Zusammenspiel von Value-, Competition- und Cost-based Pricing mehrfach an echten Beispielen zu üben.
In meinem Case Study Masterkurs gehe ich Pricing-, Profitability-, Growth- und Competitive-Response-Cases anhand realistischer Interviewbeispiele im Detail durch – von der Framework-Auswahl über die Rechenschritte bis zur finalen Empfehlung –, damit du diese Logik im Gespräch nicht nur kennst, sondern souverän anwenden kannst.
